Weihnachten in den Tropen

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Weihnachten in den Tropen

Ich gestehe: ich bin ein Weihnachtsfreak. Den Advent finde ich klasse und ja, ich mag sogar Weihnachtsmusik, bei einem Glas Rotwein vor dem Kamin. Mein Weihnachtsbaum kann nicht groß genug sein, aber ab 4 m Größe lässt die Begeisterung meiner Liebsten überproportional nach.

Traditionen sind ja ganz nett, aber neues auszuprobieren hält frisch und fit. Warum also nicht mal zur Weihnachtszeit in die Tropen?

Ende November kamen wir in Bridgetown an, der Hauptstadt von Barbados und ankerten mit unserem Segelschiff in der Carlisle Bay, 5 Fußminuten vom Stadtzentrum entfernt. Tagsüber ist es ein Traumstrand und abends ist es der pure Adventskitsch mit Partymusik und völlig entspannten Einheimischen. Bridgetown ist eine richtige Stadt mit fast allem, was eine Stadt ausmacht. Die Straßen, Geschäfte und Bars waren üppig und sehr farbenprächtig dekoriert. Gelb und blau geschmückte Weihnachtsbäume – die Nationalfarben – waren mir etwas gewöhnungsbedürftig. Der Advent ist auch in der Karibik die Winterzeit, es wird früh dunkel – gegen 18.00 h ist es Nacht. Die Temperaturen sinken dann von 30 auf erfrischende 25 Grad während der Nacht. Am Strand wird man von lichtbehangenen Palmen empfangen, es glitzert überall festlich und kitschig. In den Straßen wird amerikanische Weihnachtsmusik gespielt und zum Geträller von „White Christmas“ fehlt nur ein Weihnachtsmarkt. Statt Glühwein serviert der relaxte Barmann Painkiller oder eiskaltes karibisches Bier am Strand.

Von Barbados segelten wir weiter nach St. Lucia und machten in der Rodney Bay Marina fest. Na klar, auch hier war`s ab sechs Uhr abends stockdunkel und sehr angenehm warm. Und auch hier glitzerten bunte Weihnachtsbäume und beleuchtete Weihnachtsmänner. Sah aus wie zuhause, nur ohne lästige kalte Füße, ohne Handschuhe und Schirm. Farbenfroh geschmückte Häuser und Lichterketten in den Palmen machten alles sehr festlich. Wenn wir abends in einem Restaurant oder Bar direkt am Wasser saßen, war mein Adventpegel auf vollem Ausschlag. Ich fand es richtig gut die Füße ins Wasser zu hängen, einen Dark`n Stormy zu trinken und Jingle Bells zu hören.

Für die Weihnachtstage segelten wir weiter nach Martinique, in die Marina von Les Marins. Hier war es etwas weniger weihnachtlich, als auf den eher britisch oder US zugeneigten Inseln. Mehr wie in Frankreich und weniger als wie in den USA. Die Weihnachtsmusik ist eher französisch rappig und Dean Martin hat hier Pause. Aber es ist irgendwie noch Weihnachtsmusik – zumindest in den Texten.

Zum Heiligen Abend hatten wir die Crews von 5 Schiffen eingeladen. Wobei wir den Briten und Australiern erst erklären mussten, dass ein Fest am 24.12 bei uns Tradition war. Aber nichts nehmen Segler lieber an, als die Feieranlässe anderer Kulturen. Zur Vorbereitung auf den heiligen Abend besorgten wir in einem Chinaladen einen kümmerlich kleinen weißen Weihnachtsbaum und Schmuck. Das war einer der Chinaläden, die es überall auf der Welt gibt – die 25 Stunden am Tag und 367 Tage im Jahr geöffnet haben und alles verkaufen. Festlich geschmückt stellen wir den Baum auf den Steg. Zum Abend organisierten wir ein potluck dinner, wie es bei Seglern zu Festen üblich ist. D. h. jeder bringt etwas an Speisen oder Getränken mit.

Verglichen mit anderen karibischen Inseln, ist die Versorgung mit Lebensmitteln in Martinique klasse. Es gibt Champagner und Wein, richtigen Käse und Foie gras – vive la France. Die traditionelle Weihnachtsspeise ist in Martinique Schwein, eine Art Kassler Fleisch – nicht unser Ding. Nach Anbruch der Dunkelheit kamen die ersten Gäste im Dinghi, machten neben unserem Schiff fest und ein karibisches Weihnachtsfest begann.

Der Abend war famos. Alle erzählten wie Weihnachten früher war, wir sangen, aßen, tranken und genossen den warmen Weihnachtsabend. Barfuß und in Shorts. Kurz vor Mitternacht kam noch die Crew eines italienischen Mega Seglers zu uns um mit zu feiern. Der Skipper schickte seinen Koch zurück in die Kombüse um uns mit „richtiger“ italienischer Pasta zu kultivieren. Man kann gar nicht oft genug mit Menschen aus aller Welt feiern.

Irgendwann zwischen Nacht und Morgen sangen wir gemeinsam das letzte Weihnachtslied. Da hatten wir noch 27 Grad. Auf dem Rückweg zu ihrem Schiff setzten unsere australischen Freunde noch mit dem Dinghi auf einer Sandbank mitten in der Bucht von Le Marins auf.

Am nächsten Morgen, dem ersten Weihnachtstag, brachen wir nach einem festlichen Frühstück auf zum Strand. Australische Freunde hatten uns zum Festessen mit Truthahn auf ihr Schiff eingeladen. Ein legendärer Truthahn, der einen langen Weg von Barbados nach Martinique hinter sich hatte. Australier feiern Weihnachten eher als Party mit Freunden, am liebsten am Strand. Wir genossen unser erstes Weihnachten in den Tropen. Sogar das schwimmen fühlte sich festlicher an. Den 4 m Weihnachtsbaum und den Glühwein vermisste ich keine Sekunde. Ich freue mich vielmehr auf viele weitere Weihnachten in den Tropen.

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