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Neue Nomaden

in jeder dritten Ausgabe meiner Tageszeitung finde ich einen Artikel über “Digitale Normaden”. Es langweilt mich inzwischen, dass niemand das Leben so beschreibt, wie es für Nomaden ist und war. Es sind neue Nomaden, die man beschreibt.

Die Themen

  1. Ortswechsel
  2. Aufgabenwechsel
  3. ständig neue Menschen
  4. ständig Abschied.

sind vollkommen anders besetzt.

Als Nomaden werden im engeren Sinn Menschen bezeichnet, die aus ökonomischen Gründen eine nicht-sesshafte Lebensweise führen: Zumeist bilden die mit der Arbeit zusammenhängenden Wanderbewegungen gleichbleibende Vorgänge, die u. a. aufgrund extremer klimatischer Bedingungen oder dem Folgen von Tierwanderungen notwendig werden, womit der Lebensunterhalt über das ganze Jahr über gesichert werden kann. Die Übertragung des Begriffs auf ganze Gesellschaften ist problematisch: Häufig sind „nomadische Gesellschaften“ nicht homogen, es gibt z. B. auch dauerhafte Dörfer oder zeitweise Sesshaftigkeit in Städten. Überdies wird dadurch die Eigenbegrifflichkeit dieser Ethnien ignoriert. (WIKIPEDIA)

Der größte Teil, der Menschen, die mich umgibt ist weit entfernt vom Nomadentum. Das liegt auf der Hand, denn sie sind hier vor ORT und nicht: Mal hier mal dort. Und den meisten geht es wie mir. Wir sind recht fest im Sattel. Auch im territorialen Sinne. Mein letzter Umzug war vor 10 Jahren von Berlin nach Luxembourg und die Hälfte meiner Freunde war bereits da, als ich wieder hier ankam.

Das wird sich bald ändern. Wir planen eine Weltreise. Ein sehr langsame Weltreise per Segelschiff. Und genau dann werde ich mich als Nomade bezeichnen. Vielleicht sogar als digitaler Nomade. Denn ich möchte gerne unterwegs arbeiten. Werde zeichnen, illustrieren, schreiben, bloggen natürlich und mich um die Weltkonto und Frauenkonto-Kunden kümmern. Und das alles läuft selbstverständlich digital. Genau dann bezeichne ich mich als digitaler Nomade. Ich freue mich auf diese freie Arbeit und ich kenne sie bereits.

In den Jahren 2016 – 2017 war ich schon einmal als digitaler Nomade unterwegs. Ich kann Lieder davon singen, wie schön dieses Leben sein kann. Manchmal. Auf Reisen schreiben, zeichnen, illustrieren ist nichts besonderes. Anstrengend wird es erst dann, wenn man möchte, dass andere die getane Arbeit sehen können. Denn anders als in europäischen Gebieten ist der Zugang zum Web hin und wieder sehr beschwerlich und vor allem langsam.

In den Jahren vor der Reise hab ich recht verächtlich auf die Menschen in Kaffees und Bars geschaut, die mit einem Mobile, Tablett oder gar einem Laptop vor der Nase da saßen und nebenbei einen Espresso tranken. Bis ich selber vollkommen glücklich über eine Internetverbindung in der Sonne der Karibik saß, um mit Kunden zu reden, mit Freunden und Familie zu skypen und meine Beiträge hochladen zu können.

Es war ein wunderbares Leben, die schönste Zeit, an die ich mich erinnern kann. Trotz schlechter Verbindungen und trotz hoher Mobil-Rechnungen. Und genau das hat mich in dieser Zeit von den digitalen Nomaden unterschieden, von denen ich lesen. Sie wechseln die Arbeitsplätze und lernen auch neue Menschen kennen. Vielleicht nehmen sie auch hin und wieder schmerzlich Abschied von einer gut erprobten Struktur. Aber was das digitale angeht sind doch die meisten sehr fein aufgestellt. Wenn mal keine gute Webverbindung besteht, dann doch wenigstens ein Hotspot.

Im Gegensatz zu den Nomaden treibt mich nicht der zu verdienende Lebensunterhalt um. Das Klima aber schon, denn ich werde dort sein, wo nicht gerade Hurrikan-Saison ist. Ich werde im warmen segeln. Dort, wo ich ins Wasser springen kann und arbeiten, wenn es langsam dunkel wird oder draussen zu heiß ist. Ich freue mich auf mein Leben als Nomade. Sogar als digitaler Nomade, denn ich will den Kontakt halten zu all den Menschen, die ich leider nicht auf diese Reise nehmen kann.

in vornomadischer Freude

Karin Binz, WELTKONTO

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